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Hoffmanns Erzählungen

Oper von Jacques Offenbach

In Lutters Weinkeller zechen die Studenten. Man trinkt auf das Wohl der Sängerin Stella, die gerade im nahegelegenen Opernhaus in Mozarts „Don Giovanni“ auf der Bühne steht. Auch der Dichter Hoffmann spricht kräftig dem Alkohol zu, will er doch eben jene verzweifelt vergessen, der das Loblied der Zecher gilt. Denn Hoffmann glaubt, dass Stella seine Liebe nicht erwidert. Was er jedoch nicht weiß: Sein intriganter Rivale Lindorf hat einen Brief der Diva abgefangen, in dem sie Hoffmann nach der Vorstellung in ihre Garderobe einlädt. Bedrückt durch das vermeintliche Schweigen Stellas lässt Hoffmann vor dem erstaunten Publikum in drei Erzählungen die unglücklichen Liebschaften seiner Vergangenheit Revue passieren: Olympia, die sich als Automat herausstellte; Antonia, die durch eine geheimnisvolle Krankheit von ihrem eigenen Gesang dahingerafft wurde und schließlich die Kurtisane Giulietta, die im Auftrag des finsteren Dapertutto Hoffmanns Spiegelbild stahl und Hoffmann sogar zu einem Mord verleitete. Ihnen allen verfiel der Poet, von allen wurde er betrogen. Wird es ihm bei Stella am Ende ebenso ergehen?

Unter den wenigen Opern des vor allem als Operettenkomponist bekannten Jacques Offenbach nimmt „Hoffmanns Erzählungen“ eine herausragende Stellung ein. Die Oper ist Fragment geblieben: Als der in Köln geborene Wahlfranzose 1880 starb, hinterließ er verschiedene unvollendete Fassungen, die die Musikwissenschaft bis heute beschäftigen. Entdeckungen verloren geglaubter Werkpartikel sorgen immer wieder für Aufsehen, bereichern und beeinflussen die Rezeptionsgeschichte dieses Stoffes, der auf einer Vielzahl unterschiedlicher Erzähl-ungen des romantischen Schriftstellers E.T.A. Hoffmann fußt („Der Sandmann“, „Rat Krespel“, „Die Abenteuer der Sylvester-Nacht“). In Offenbachs Fantastischer Oper wird der zeitlebens mit seinem Künstlerdasein hadernde Dichter selbst zum (Anti-)Helden, der sich an seinen eigenen literarischen Geschöpfen abarbeiten muss. Am Ende steht für ihn die fragwürdige Entdeckung, dass große Kunst vor allem durch großes Leid hervorgebracht wird. Regisseur Michiel Dijkema, der am MiR zuletzt die Uraufführung „Nahod Simon“ („Simon das Findelkind“) in Szene setzte, bringt Ordnung in Offenbachs Materialfundus.

Sonntag, 18. Juni 2017,
15:00 Uhr

Gelsenkirchen
Musiktheater im Revier, Großes Haus

Programm

Jacques Offenbach

Hoffmanns Erzählungen

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