Kurz, aber heftig!" Das treffende Urteil eines NPW-Musikers bringt das 5. Sinfoniekonzert am vergangenen Mittwochabend in der Konzertaula auf den Punkt

von Rainer Ehmanns, Hellweger Anzeiger

 

"Südstaaten" - der ebenso knappe Titel lässt unmittelbar eine Fülle von Assoziationen zum Jazz, Ghospel und Spiritual entstehen, die das Programms aufgreift und den Zuhörern als eine geballte Ladung fulminanter Musik präsentiert.

"Nobody knows the trouble I see", das Konzert für C-Trompete und Orchester von Bernd Alois Zimmermann mag den einen oder anderen Zuhörer befremden, hört er doch eine ungewohnte Stilmischung aus Jazz, Zwölftonmusik und Choral, mit der Zimmermann seine Solidarität mit den unterdrückten Afroamerikanern während der Rassenunruhen zum Ausdruck bringt. Elegisch klagend, impulsiv und rhythmisch akzentuiert steigert sich sein Unbehagen bis hin zur schrillen Gewalt-Apokalypse einer aus den Fugen geratenen Jam-Session, bevor das Thema des originalen Spirituals choralartig mit "Glory, Glory Halleluja endet. Reinhold Friedrich spielt auf der C-Trompete die hochvirtuose Herausforderung beeindruckend souverän und mit hinreißendem Ton! Kein Wunder, dass auch die jazzige Zugabe, Gershwins "Prelude Nr.1" zusammen mit Rasmus Baumann am Flügel zu weiteren Bravo-Rufen und heftigem Beifall hinreißt.

Mit seiner Oper "Porgy and Bess" hat George Gershwin der Musik der Südstaaten ein zeitloses Denkmal gesetzt und den symphonischen Sound der Neuen Welt geschaffen. Robert Russel Bennett arrangiert aus den Greatest Hits "A Symphonic Picture for Orchestra", das  die Oper unmittelbar lebendig werden lässt. Mit den Melodien von "Summertime" , "I Got Plenty O´ Nuttin´", "Bess, You Is My Woman Now" bis hin zu "Oh Lawd, I´m On My Way" malt Bennett ein kontrastreiches Bild, das die Neue Philharmonie schwungvoll in prächtige Klangfarben umsetzt. Und Rasmus Baumann ist in seinem Element: er swingt, er tanzt die Synkopen, gibt dem groovenden Orchester die starken Impulse - ein besonderes Vergnügen, seinem "sprechenden" Dirigat zuzusehen!

"Kurz, aber heftig!" passt nach der Pause auf Morton Goulds "American Salute", der fetzigen Variante des patriotischen Bürgerkriegsliedes "When Johnny comes marching  home" - als eine ungebrochen optimistische Sicht auf das "Land der Freien und die Heimat der Tapferen", bevor Ferde Grofés "Grand Canyon Suite" einen Tag in der grandiosen Schlucht Arizonas beschwört. In fünf Sätzen stellt er die großartige Landschaft vor. Vogelgesänge begrüßen den erwachenden Tag; die Bläser lassen bereits die großen Dimensionen des Canyons erahnen. Stetige Wassertropfen höhlen den Stein, werden zu einem mächtigen Fluss der Erosion; Pferdehufe auf schmalen Pfaden hallen wider, Hörnerfanfaren verklingen im Echo der Canyonwände, sanft singt das Cello das Ende des Tages. Begeisterter Applaus für ein hinreißendes Konzert zum Jahresbeginn - frisch, optimistisch und sprühend vor Vitalität!       

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