Fernost und Europa - mit einer faszinierenden Begegnung zweier Welten in der Musik begeistert die Neue Philharmonie im 4. Sinfoniekonzert

von Rainer Ehmanns, Hellweger Anzeiger

 

Kamen. Sekundenlange Stille nach dem letzten Ton, dann zögernder, zuletzt kräftiger und langer Applaus für ein außergewöhnliches Konzert! Die neue Philharmonie Westfalen hatte Musik zu und aus "Fernost" mitgebracht.

Gustav Holsts "Japanische Suite" op. 33 beginnt mit einem elegischen Fagott-Solo, in das Harfen und Streicher zart einstimmen. Natürlich gehören pentatonische Elemente dazu, die in vier Tänzen unterschiedlichen Charakters verarbeitet werden. So kann man sich unschwer eine Tanzzeremonie am Kaiserhof vorstellen, dem ein silbriger mechanischer "Marionettentanz" folgt, bevor nach dem Gesang des Fischers der zart-filigrane "Tanz unterm Kirschbaum" und der aggressive "Tanz der Wölfe" das Werk beschließen.

Schon zu Beginn steht die Zheng, das ungewöhnlichste Instrument für einen europäischen Konzertsaal auf der Bühne. Dirigent Rasmus Baumann und Solistin Chanyuan Zhao stimmen die Zuhörer im Kurz-Interview auf das 3000 Jahre alte Zupfinstrument ein, für das der chinesische Star-Komponist Tan Dun das "Konzert für Zheng und Streichorchester" schrieb.

Was die Zuhörer dann zu hören bekommen, ist ein Dialog zwischen "Vergangenheit und Zukunft, Geist und Natur", eine faszinierende Symbiose "chinesischer" Klänge mit dem Sound eines europäischem Streichorchesters, das seinerseits stampfend, mit Glissandi, Tremoli und stark rhythmischen Einwürfen,  mit Rufen, Improvisationen, gegenseitigem Anfeuern und erlöstem Seufzer auf die reichen Klangvarianten der Zheng eingeht. In zwei ausgedehnten Kadenzen betört der besondere Klang der Zheng, die Chanyuan Zhao auch in der bezaubernden Zugabe mit anmutiger Grazie wie mit resoluter Kraft spielt und ihr so einen unerwarteten Farbreichtum entlockt.

Gustav Mahlers "Lied von der Erde" basiert auf Hans Bethges kongenialen Nachdichtungen von Gedichten des Chinesen Li-Tai-Po aus dem 8. Jh., der die Schönheit der Welt, den ewigen Schmerz und die Trauer um alles Seiende besingt. Mahlers recht freies Nachempfinden der melancholischen Betrachtungen Li-Tai-Pos gestaltet die klangsensible Neue Philharmonie mit kraftvollen Tutti wie mit wunderschönen Holzbläser-Soli. Tenor Kor-Jan Dusseljee singt mit starker Präsenz das "Trinklied vom Jammer der Erde" und schwärmt "Von der Jugend", deren "Schönheit" Alexandra Petersamer mit warmem, vollem Alt hervorhebt und besonders im letzten Satz den versöhnlichen "Abschied" von Liebe und Leben bewegend interpretiert.

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