Französische Klangfinessen Unter Rasmus Baumann blüht die NPW auf

Recklinghäuser Zeitung | Bernd Aulich

GELSENKIRCHEN. Nicht etwa Dirigent Rasmus Baumann zückte nach der grandiosen Orgelsinfonie von Camille Saint-Saëns das Tüchlein, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen. Das taten einige Streicher der Neuen Philharmonie Westfalen (NPW).

Von Bernd Aulich

Es erschien durchaus typisch für den faszinierenden Ausflug in französische Klanggefilde im dritten Sinfoniekonzert. Der Chefdirigent des Musiktheaters im Revier bewahrte im Großen Haus kühlen Kopf, als er den wie eine Orgel auftrumpfenden Klangkörper zu Saint-Saëns’ wuchtigem Finale anfeuerte. Zur komplexen Doppelfuge mit fulminanten Steigerungen des Streicherchorals über einem Dies-irae-Thema den Überblick zu behalten, verlangte selbst erfahrenen Orchestermusikern alles ab.
Baumann zelebrierte mit diesem populären Werk als finalem Höhepunkt keinen Rausch. Brachial bombastisch klang da nichts. Noch im Fortissimo Brillanz zu wahren – in dieser Kunst übte sich der 39-jährige Dirigent mit wacher musikalischer Intelligenz.
An diesem Abend mit seinen französischen Klangfinessen erlebte ein mit prasselndem Beifall reagierendes Publikum, wie das Orchester unter diesem Dirigenten aufblüht. Baumann setzt auf Feinschliff und Detailpräzision. Er entfesselt damit berückenden musikalischen Zauber.
Dieser Zauber bestimmte schon die Eröffnung mit Ernest Chaussons „Poème“, einem verkappten einsätzigen Violinkonzert. Als Inbegriff süßlichen Kitsches geschmäht, erwies es sich auch dank der famosen Spielkultur des 28-jährigen neuen Konzertmeisters Yusuke Hayashi als Inbegriff leidenschaftlicher Noblesse. Dass die französische Vorliebe fürs Klare nicht Kühle bedeutet, zeigte auch Francis Poulencs am Barock-Concerto geschultes Konzert für Orgel, Streichorchester und Pauken mit der temperamentvollen 23-jährigen Organistin Anna-Victoria Baltrusch aus Berlin. Köstlich, wie sie den majestätischen Kathedralenklang umschlagen ließ ins Profane einer Kirmesorgel. Einen melancholisch angehauchten Kontrast boten Erik Saties „Gymnopédies“ in Debussys Orchesterfassung. Ihre Melodik ließ Baumann zu Oboen- und Harfendominanz sanft und gleitend wogen.

@ www.neue-philharmonie-westfalen.de
Info Im Ruhrfestspielhaus in Recklinghausen wird das Konzert am nächsten Sonntag, 19.30 Uhr, wiederholt. Karten 01805/14 77 88 (ecotel, 0,14 Euro/Min. a. d. dt. Festnetz T-Com).

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