Johannes Wildner ist zurück bei der Neuen Philharmonie – zumindest für einen Abend

 

von Rainer Ehmanns, Hellweger Anzeiger

Vor 10 Jahren hatte er "seine" Neue Philharmonie Westfalen, in die Hände von Mathias Förster übergeben. Nachfolger Rasmus Baumann hatte Wildner nun aus Anlass des 20-jährigen Bestehens zu einem Wunschkonzert eingeladen, dessen Programm das Publikum bestimmt hatte.

"Wie hast du das gemacht?", fragt in der Einführung Cellist Mark Mefsut Wildner nach den Anfängen. "Wir haben es gemeinsam gemacht!", so Wildner. "Die Frage, ob ich die Leitung des aus zwei Orchestern fusionierten Klangkörpers übernehmen wolle, hat in mir geradezu eine Sehnsucht ausgelöst. Sie sollte schließlich 10 Jahre ein zentraler Teil meines Lebens werden. Dankbar bin ich vielen Entscheidungsträgern, vor allen dem damaligen Oberkreisdirektor Karl-Heinrich Landwehr, der mich immer wieder motiviert hat, nicht aufzugeben; außerordentlich dankbar dafür, dass es dieses Orchester noch gibt und damit der drohende kulturelle Kahlschlag aufgehalten werden konnte. Sie, unser Publikum, haben gewählt und entschieden: Die NPW ist ein Teil unserer Lebensgestaltung!"

Mit der gleichen Empathie spricht er vom Programm des Abends. Wildner hat "seine" Moldau im Kopf hat, dirigiert sie ohne Partitur und mit belebender Frische. Rachmaninows Klavierkonzert Nr.2, mit dem Matthias Kirschnereit bereits vor fünf Jahren das Publikum hinriss, verfehlt auch diesmal seine Wirkung nicht, wenn nach den anschwellenden "Glockenschlägen" das Piano mit dem Orchester zu einer sinfonischen Einheit verschmilzt, deren glutvolle Wärme die Zuhörer regelrecht überflutet. Ein wunderschönes Klarinettensolo im zweiten Satz nimmt das Piano auf, wandelt es in machtvolle Akkorde, bevor der flinke dritte Satz melodische Fülle verströmt. Kirschnereits sensibles Gespür für machtvolle Dramatik wie für feinste Nuancen zaubert hier wie in den zwei Zugaben von Chopin eine magische Welt berauschender Klänge. Schumanns "Rheinische Sinfonie", opulent, schwungvoll, festlich und lebhaft reißt die Zuhörer vollends mit. Mit lang anhaltend rhythmischem Applaus dankt ein Publikum, das diesen österreichischen Dirigenten in sein Herz geschlossen hat. 

Nach dem Konzert mischt sich Wildner im Foyer unter die Zuhörer, bedient Autogrammwünsche und beantwortet gern und ausführlich gestellte Fragen. Dank eines harmonischen Miteinanders der Politik, des Publikums und der Musiker sei es mit der NPW stetig bergauf gegangen. "Sie ist längst kein B-Orchester mehr, sondern ein Spitzenorchester!", lobt er und ist stolz darauf, als "Kulturdienstleister der Menschen neue Wege gegangen" zu sein; er erinnert etwa an den 20.09.98, als die NPW erstmals unter Tage konzertierte, leider aus dem traurigen Anlass der Schließung von Haus Aden, schwärmt vom Beethoven-Abend auf dem Marktplatz in Unna 2002, als Christoph Berner alle fünf Klavierkonzerte hintereinander spielte, oder von Mahlers "Sinfonie der Tausend" im Kar-stadt-Warenverteilzentrum 2003 und ist überzeugt davon, dass gerade heute "neue Wege gegangen werden müssen, um Reserviertheit und Scheu gegenüber der ´klassischen´ Musik abzubauen. Dabei ist die Neue Philharmonie auf einem überzeugenden Weg!"

Zurück