Klassisches mit Alphorn - Konzert in Gladbecker Stadthalle

WAZ Gladbeck | Julia Haselof

Gladbeck. „Haydn im Dialog mit der Schweiz“ hieß das erste von drei Konzerten der Neuen Philharmonie Westfalen. Generalmusikdirektor Rasmus Baumann moderierte. Und zum Abschluss griff der ehemalige Gladbecker Baumann auch noch selber zum Cembalo.


Wer hätte gedacht, dass gezupfte Saiten wie das Glockengebimmel einer gemütlich grasenden Kuh-Herde klingen können? Mit viel Charme entfaltete die Neue Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Generalmusikdirektor Rasmus Baumann das idyllische Panorama der Schweizer Alpen vor der Fantasie der Zuhörer, die die Stadthalle beim Auftaktkonzert zur Trilogie „Haydn im Dialog“ leider nur zur Hälfte füllten.

„Joseph Haydn war ein experimentierfreudiger Komponist“, erklärte der aus Gladbeck stammende Baumann, der seit sechs Jahren mit dem größten NRW-Landesorchester zusammen arbeitet. Da lag es nahe, Haydns gewitzte Londoner Sinfonie Nr. 98 mit zwei Stücken zu kombinieren, die den Klang eines eher selten auf der klassischen Bühne anzutreffenden Instruments in den Mittelpunkt stellen: das Schweizer Alphorn. Und während in Arthur Honeggers dichterischer „Pastorale d’éte“ noch das Horn träumerisch die einleitende Hirtenweise übernahm, integriert Carl Rütti das dickwandige, hölzerne Hirteninstrument selbst in sein „Konzert für Alphorn und Streichorchester in F“. Gut, dass das in kleiner Besetzung spielende Orchester über einen Solohornisten aus der Schweiz verfügt: Ganze 16 Töne entlockte Markus Schleich dem mit 3,60 m Länge doch recht unhandlichen Blasinstrument. Nur mit dem Mund formte der in Schweizer Tracht spielende Solist die durchdringenden Signalrufe des dickwandigen Alphorns, die am Anfang von Rüttis Konzert über imaginäre Bergwiesen hallen, bevor er sich im Rondo auf dem tragenden Zoggeli-Reigen der Streicher in einen gepfefferten Volkstanz stürzte.

Wie das Alphorn gegen die Hörgewohnheiten des späten 20. Jahrhunderts verstieß, konnte auch Haydn pfiffigen musikalischen Affronts gegen die gefügige höfische Kultur nicht widerstehen: wie im Zeitraffer klang das beschwingte Allegro seines Menuetts – normalerweise ein Schreittanz im Andante. Und auch in diesem Stück taucht ein Instrument auf, das am Ende des 18. Jahrhunderts schon völlig außer Mode war: Rasmus Baumann selbst beendete mit einem kleinen Cembalo-Solo die wunderbar durchlässig und luftig vorgetragene Sinfonie.

Das delikate Spiel der knapp 30 Musiker und die geschickt gewählten musikalischen Kontraste begeisterten im Publikum vor allem auch Mitglieder des Kammerorchesters Gladbeck, das Rasmus Baumann von 2000 bis 2002 dirigiert hatte.

 

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