Klatschmarsch und fröhliche Buh-Rufe im Musiktheater

WAZ Gelsenkirchen | Jörn Stender

Gelsenkirchen. Das Neujahrskonzert der Neuen Philharmonie Westfalen im Musiktheater im Revier war wieder eine spritzige Gala voll Witz und Walzerseligkeit. Am Pult zeigte sich Generalmusikdirektor Heiko Mathias Förster als perfekter Dirigent und Moderator.

Von Jörn Stender

In Fröndenberg und Lünen, in Dülmen, auch im (stets) rappelvollen Bürgerhaus Süd in Recklinghausen spielt die Neue Philharmonie Westfalen (NPW) ihr Neujahrskonzert. Doch all das ist eigentlich nur das mehr oder minder festliche Vorspiel für den wahren Höhepunkt der Walzerseligkeit und den musikalischen Höhepunkt zum Jahreswechsel: das Neujahrskonzert im Musiktheater im Revier.

Volles Haus, glänzend gestimmtes Ensemble, bestens aufgelegte, erwartungsfrohe Besucher, GMD Heiko Matthias Förster moderierend und animatorisch in Bestform – aus so vielen guten Zutaten konnte nur eine erstklassige Gala werden. Ach ja, die Werke dazu lieferte wie üblich die Musiker- und Komponistenfamilie Strauß. Dabei gilt stets: die Mischung macht’s, eben der bunte Strauß aus bekannten und zu erwartenden Stücken sowie seltener gespielten Kompositionen.
„Entweder, Oder“, die „Process-Polka“, „Erinnerungen an Ernst oder Karneval in Venedig“, zu all den schwungvollen Kompositionen lieferte Förster nicht minder spritzig Musikgeschichte(n) und Dönekes. Und wann darf ein Publikum schon mal trampeln, jubeln und klatschen oder wilde Buhrufe ausstoßen und alle – inklusive der Musiker vorne auf der Bühne – sind glücklich? Genau, nach Aufforderung beim Neujahrskonzert, wenn die NPW Strauß-Seniors Komposition zu Ehren des berühmten Geigers Heinrich Wilhelm Ernst spielt.
Zum Finale Radetzky

„Es ist ein Novum, dass wir das gesamte Programm mit der Moderation auf CD aufgenommen haben“, sagt NPW-Sprecher Mark Mefsut. Im November wurde die Musikkonserve eingespielt und natürlich auch am Neujahrsabend im Musiktheater im Revier verkauft. Ob sie den ganz großen Glanz des Live-Abends versprühen kann, sei mal dahingestellt. Der endete mit zwei fulminanten Zugaben. Bei „Donner und Blitz“ von Johann Strauß nahm die NPW noch einmal enorm Tempo auf. Die Polka führte unweigerlich auf ein Finale zu, das gefühlt weltweit den Schlussakkord unter Neujahrskonzerte setzt: getaktet von Förster wurde der von Johann Strauß (Vater) komponierte Radetzky-Marsch zum kollektiven Klatsch-Ereignis.
Auch in der Schweiz wartet man übrigens schon auf das Neujahrs-Konzert: Am 18. Februar gastiert die NPW mit dem Programm in der Tonhalle in Zürich.

Zurück