Konzertgesellschaft Chormusik auf sehr hohem Niveau

Westfälische Rundschau | Christel R. Radix

Schwerte. Wuchtig und eindrucksvoll gestaltete sich am Samstagabend der erste Programmpunkt des Herbstkonzerts, veranstaltet von der Konzertgesellschaft, im Festsaal des Freischütz‘. Der Oratorienchor der Stadt Kamen, der Chor der Konzertgesellschaft, die Neue Philharmonie Westfalen, drei Solisten unter der Gesamtleitung von Franz-Leo Matzerath begannen mit dem Frühwerk des Komponisten Giacomo Puccini, der „Messa di Gloria“, das 1880, Puccini war da gerade einmal 22 Jahre alt, in seiner Heimatstadt Lucca uraufgeführt wurde.

Von Christel R. Radix

Dieses fast 50-minütige Werk gilt als einziges geistliches Chorwerk von Bedeutung des italienischen Komponisten, der durch viele Opern reich und berühmt wurde. Die „Messa di Gloria“ geriet in Vergessenheit und wurde nie wieder gespielt. 1950 entdeckte der amerikanische Priester und Puccini-Verehrer Dante del Fiorentino das Werk und veröffentlichte es. Seitdem erfreut sich die Messe großer Beliebtheit. Etliche CD-Einspielungen und Aufführungen bescheinigen das.

Viel Ausdruck und Dynamik

Emphatisch brachten die Choristen, die Philharmonie sowie der Bass Roman Payer und Bariton Guido Baehr Puccinis Messe zu Gehör. Voller Farbenreichtum, Ausdrucksvermögen und dynamischer Schattierungen hoben die Musiker das das Majestätische, Triumphale der zugrunde liegenden liturgischen Texte hervor. Der klangschöne, ausdrucksstarke Chor, die großartigen Gesangssolisten und die brillant aufspielenden Philharmoniker, gaben mit Begeisterung und Hingabe eine lebendige Interpretation dieses monumentalen Werkes. Höhepunkt dieser fünfsätzigen Komposition war sicherlich das Gloria, indem der Tenor mit lupenreinem und kraftvollem Gesang begeisterte.

Als zweite Rarität nach der Pause intonierten Orchester, Chöre und Solisten „Te Deum“ von Georges Bizet. Neben Ave Maria ist das Te Deum das zweite geistliche Werk des französischen Komponisten, das den ambrosianischen Lobgesang für Solisten, Chor und Orchester vertont. Bizet komponierte das Werk, in dem der Einfluss italienischer Kirchenmusik und Opernelemente spürbar sind, mit knapp 20 Jahren. Die Uraufführung fand erst im März 1970 statt. Franz-Leo Matzeraths Zugriff zu dem Werk, das von großer Musikdramatik durchdrungen ist, fördert eine enorme Energie zu Tage. Die Sopranistin Petra Hasse, der Tenor, die Chöre und das Orchester fühlten sich hörbar wohl: Die Interpretation dieses Frühwerkes war eine inspirierte, klanglich ausgewogene und fein schattierte Leistung.

Den Abschluss des Herbstkonzertes bildete Felix Mendelssohn Bartholdys „42. Psalm – Wie der Hirsch schreit“. Die bedeutenden Chorwerke und die qualitativ hochwertigen Darbietungen wurden vom Publikum gebührend honoriert und machen Lust auf weitere Aufführungen diesen Niveaus.

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