Liebgewonnenes Ritual auf der Wilhelmshöhe

von Alexander Lück, WAZ Menden

 

Menden. Den musikalischen Ausstand für das Jahr 2015 erlebte die nahezu ausverkaufte Wilhelmshöhe beim Silvesterkonzert am Montagabend. Hochtalentierter Nachwuchs am Dirigentenpult, jede Menge Schmeicheleien für Menden und – in der Hauptrolle – weltbekannte und gern gehörte Melodien aus der Klassikwelt. Den musikalischen Ausstand für das Jahr 2015 erlebte die nahezu ausverkaufte Wilhelmshöhe beim Silvesterkonzert am Montagabend.

Ein bisschen ist es ja wie mit „Dinner for one“: Wenn der Kalender alle Blätter abgeworfen hat, gehört es zum liebgewonnenen Ritual und niemand schaltet zu diesem Anlass das TV-Gerät ein – beziehungsweise betritt den Konzertsaal der Wilhelmshöhe –, weil er mit künstlerischen Experimenten überrascht und herausgefordert werden will. So setzte auch das Programm des diesjährigen Silvesterkonzertes – am Montag wie auch gestern in der Fröndenberger Gesamtschul-Aula – auf bewährte Klassiker und Welterfolge, gab aber am Dirigentenpult dem Nachwuchs eine Chance.
Kapellmeister in Aachen

Der Endzwanziger Justus Thorau macht erst seit wenigen Jahren auf sich aufmerksam, ist seit einem Jahr Kapellmeister am Theater Aachen und nun ein Teil des Projektes der Neuen Philharmonie Westfalen, junge Preisträger auf seinen Klangkörper „loszulassen.“ Mit seiner großen, fast schlaksigen Statur vermittelte er eine federnde Leichtigkeit des Klangs, aber auch Strenge und Genauigkeit an den notwendigen Stelle und warf sich mit unübersehbarer Freude an der Musik in die bekannten Melodien. Vielleicht sogar derart enthusiastisch, dass die Ouvertüre von „Carmen“ – der mutmaßlich meistgespielten Oper der Welt – deutlich schneller geriet als in vielen anderen Darbietungen. Überhastet aber keineswegs, auch wenn die Streicher hier Schwerstarbeit zu verrichten hatten.

„Oper ohne Gesang? Wird das funktionieren?“, hatte Moderator Markus Wallrafen schon am Beginn programmatisch gefragt in Anspielung auf den leicht sperrigen Konzerttitel „Walzer, Polka, Habanera? Alles Oper.“ Für die „Habanera“ – ebenfalls aus „Carmen“ – beantwortete sich diese Frage mit der durch alle Instrumente wandernden Gesangsmelodie aus der Arie. Ansonsten spielte sich das Orchester im warmen und runden, an passender Stelle aufbrausendem Klang durch die Ouvertüre des „Barbier von Sevilla“, das One-Hit -Wonder Amilcare Ponchielle mit „La Gioconda“, die lebenslustigen und spannungsreichen Melodien von Tschaikowsky und Glinka – hier sicher das Gegenteil von russischer Schwermut – und die funkensprühende wie gleichzeitig traumhaft schöne Klangwelt von Bedrich Smetana.
Informationen zu den Werken

Neben anschaulichen Informationen zu den Werken versprach Moderator Wallrafen nicht nur EM- und WM-Titel für unsere Fußballnationalmannschaft in den nächsten Jahren, sondern schmeichelte auch Menden ganz gehörig, als er die „Bacarole“ - ursprünglich ein Gondel- und Schifferlied - aus „Hoffmanns Erzählungen“ ankündigte: „Dass Menden immer noch so viel weniger Touristen als Venedig anlockt, verstehe ich nicht. Durch die Hönne und nun auch den Glockenteichbach ist man ja mit den Weltmeeren verbunden.“ Aber bevor die Ozeanriesen in die Hönnestadt einschippern, empfängt man lieber weiter die Giganten der Musikwelt. Die Publikumsreaktion unterstrich das sehr hörbar.

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