Mit Eleganz und Esprit Nikolai Tokarev und Hans Leenders glänzen im NPW-Sinfoniekonzert

Recklinghäuser Zeitung | Bernd Aulich

GELSENKIRCHEN. Als Nikolai Tokarev vor fünf Jahren das Klavierfestival Ruhr eröffnete, faszinierte der gebürtige Moskauer, damals noch ein Nobody, durch technische Brillanz bar allen Blendwerks

von Bernd Aulich

Sein spannungsgeladenes Klavierspiel beeindruckte durch feinste Abstufungen zwischen Träumerei und explosivem Ausbruch. Im achten Sinfoniekonzert der neuen Philharmonie Westfalen (NPW) widmete sich Tokarev im Ruhrfestspielhaus und am Abend darauf im Musiktheater im Revier dem in G-Dur komponierten zweiten Klavierkonzert seines Landsmannes Tschaikowsky. Einem Meisterwerk, das bis heute im Schatten des überaus populären ersten Klavierkonzertes in b-Moll steht.
Im Allegro brillante sprüht Tokarevs Spiel vor Eleganz und Esprit des aristokratischen Salons. In der ausgedehnten Solokadenz mit rasanten Oktavläufen entfacht der 29-Jährige mit Furor und geschliffener Nuancierung mitreißende dynamische Sogkraft. Im Andante vereint er sich mit Konzertmeister Mischa Nodelman und Solocellist Bernhard Schwarz zu einem aparten Klaviertrio. Die immensen technischen Herausforderungen des Rondo-Finales meistert Tokarev mit feuriger Bravour, als böten dessen Tücken nicht im mindesten ein Hemmnis. Als Zugabe spielte der umjubelte Solist wunderbar getragen Bachs b-Moll-Präludium in einer Bearbeitung von Alexander Siloti.
Der junge Niederländer Hans Leenders zählt zu den Dirigenten, die sich nicht mit dem begnügen, was in den Noten steht. Der langjährige Assistent von Valery Gergiev beim Rotterdam Philharmonic Orchestra ergründet, was dahinter steckt. Noch faszinierender als bei Tschaikowsky gelang ihm das in Beethovens sechster Sinfonie. Leenders versteht sie nicht als Abbild der Natur, nicht als Tongemälde, sondern als seelischen Reflex. Und das Orchester lässt sich mitreißen. Es musiziert mit brillanten Holzbläsern so frisch, als höre man die populäre Pastorale neu. Mit kalkulierter Leidenschaft lässt der begeistert gefeierte Gastdirigent die Gewittermusik tosen. Animierend lebendig klingt sein Spaziergang durch Feld und Hain auch noch in der Ruhe nach dem Sturm.

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