MUSIKTHEATER Gelsenkirchen zeigt Bernsteins Musical-Perle

WAZ | Elisabeth Höving

Gelsenkirchen. Dem Musiktheater im Revier ist eine perfekte Inszenierung gelungen. Mit Leonhard Bernsteins Musical „On the Town“ zeigt das Musiktheater eine Darbietung im besten klassischen Broadway-Stil. Das Publikum feierte die schwungvolle Matrosen-Revue mit einhelligem Jubel.

Die „West Side Story“ ist Leonard Bernsteins populärstes Musical, „Candide“ sein intellektuellstes und „On the Town“ sein unbekanntestes. Diese Lücke im Repertoire der Musicalbühnen füllt nun das Musiktheater im Revier mit einer energiegeladenen Inszenierung im allerbesten klassischen Broadway-Stil. Das Publikum feierte die turbulente Premiere der charmanten Matrosen-Revue im Flair der vibrierenden Metropole New York mit einhelligem Jubel.


Drei liebestolle Seeleute entern den Big Apple auf der Suche nach schneller Zerstreuung und tauchen Hals über Kopf ein in die flirrende, glitzernde Großstadt. Als Leonard Bernstein sich 1944 im Alter von 26 Jahren an sein erstes Musical wagte, stand die Welt gerade in hellen Flammen. Der große amerikanische Musiker und Komponist setzte eine federleichte, spritzige Komödie mit melancholischem Unterton gegen die Kriegskatastrophe.

Die Gelsenkirchener Inszenierung von Carsten Kirchmeier etabliert mit einer perfekten Melange aus artistischem Tanz, Show-Gesang, boulevardeskem Schauspiel und klamottigem Humor das Musiktheatereinmal mehr als ausgezeichnete Musicalbühne. Denn zeitgleich fährt hier noch immer „Cabaret“ furiose Erfolge ein.

Bis in die Nebenrollen bestens besetzt
Äußerst spielfreudig und präsent die drei Pärchen: Romantiker Gabey (Piotr Prochera) verliebt sich in das Gesicht einer U-Bahnreklame, Ozzie (E. Mark Murphy) träumt von der wahren Liebe und Chip (Michael Dahmen) treibt der Bildungshunger voran. Als sie am Ende glücklich ihre Eroberungen Miss Underground (JuliaSchukowski), Taxi-Girl Hildy (Judith Jakob) und Wissenschaftlerin Claire (Dorin Rahardja) im Arm halten, ist der Landgang auch schon zu Ende und der Traum vom Glück ausgeträumt. Es geht zurück aufs Schiff, zurück in den Krieg.


Das Spiel in stilechten Kostümen der 40er (Renée Listerdal) ist bis in die Nebenrollen hinein bestens besetzt. Um nur zwei zu nennen: Noriko Ogawa-Yatake als strenge Gesangslehrerin Madame Dilly und Joachim Gabriel Maaß als gehörnter Verlobter.

Der eigentliche Star ist die Musik
Jürgen Kirners Drehbühne deutet mit gewaltigen, aufgetürmten Kisten perfekt die Skyline New Yorks an. Die Containerdienen mal als Projektionsfläche für Stadtbilder, mal als Tresen eines Etablissements, mal geben sie Einblicke in ein gemütliches Appartment oder ins Naturkundemuseum mit riesigemDinosaurier-Skelett.

Der eigentliche Star aber ist die Musik. Unter der Leitung von Rasmus Baumann treibt die Neue Philharmonie Westfalen das Geschehen mit jazzig-swingendem Big Band-Sound mitreißend voran, begleitet Songs mit Ohrwurmpotenzial und die großenTanz-Tableaus der Compagnie von Bridget Breinermit nahezu sinfonischer Ballettmusik.

Wer wie die drei Matrosen für ein paar Stunden Entspannung vom Alltag sucht, ist in diesem Musical genau richtig aufgehoben.

13 weitere Vorstellungen bis 1. Juni. Karten: 0209 4097-200

Elisabeth Höving

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