Neue Philharmonie spielte „Mit Chic“

WAZ Lünen | Diethelm Textoris

Lünen. Schaut man ins Wörterbuch, dann findet man unter dem französischen Ausdruck „chic“ die Übersetzungen „vornehm“ und „elegant“ , aber auch „fesch“ und „kess“. Genau das sollte das Motto für das Neujahrskonzert der Neuen Philharmonie Westfalen am Dienstagabend im ausverkauften Heinz-Hilpert-Theater sein.

Von Diethelm Textoris

So hieß das erste Stück, das Generalmusikdirektor Heiko Mathias Schäfer und sein Orchester präsentierten, auch „Mit Chic“. Damit waren die musikalischen und inhaltlichen Maßstäbe gesetzt. Geschrieben hat es Eduard Strauß, der Bruder von Johann Strauß (Sohn), der als Kapellmeister einspringen musste, wenn Johann total überlastet an Erschöpfung litt. Auch das zweite Werk des Konzertabends, der Walzer „Dorfschwalben aus Österreich“, stammte aus seiner Feder. Geschickt hatte er in die Musik die Laute der Vögel eingearbeitet, und in der Intonation der Neuen Philharmonie konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Schwalben unter der Decke des Hilpert-Theaters ihre Kreise zogen. Mehr noch: GMD Förster hatte auch die Art seines Dirigierens dem Lied angepasst, manchmal schien er seine Arme wie Flügel auszubreiten, so, als wolle er vom Dirigentenpodium abheben. Ein wahrlich schwungvoller Auftakt des Konzerts.

Einen Schwerpunkt des Abends bildeten die Werke des „Walzerkönigs“ Johann Strauß, der ja nicht nur Walzer geschrieben hat, sondern auch Polkas und andere Tanzmusik. Dabei war er durchaus nicht zimperlich bei der Benutzung der Melodien anderer Komponisten, was die „Maskenball Quadrille“ zeigte, die Verdis Kompositionen benutzt. Eine musikalische Situationsbeschreibung im Gerichtssaal gibt die „Prozesspolka“ wieder, die Strauß für einen Juristenball komponiert hat. Hier hört man förmlich die Hammerschläge des Richters, das Gestammel und die Ausreden des Angeklagten und das Triumphieren des Prozesssiegers. Bei der „Elektrofor Polka“, die Johann Strauß für einen Technikerball geschrieben hat, scheinen sogar die Funken zu sprühen. Auf all die Feinheiten der Musik machte GMD Förster mit seiner informativen Moderation aufmerksam, wobei auch die humorvolle Seite nie zu kurz kam. Hier zeigte er, dass er sich auch im Klatsch und Tratsch der damaligen Zeit hervorragend auskennt.

Natürlich durften an diesem Abend im Melodienstrauß von Strauß auch die „Ohrwürmer“ nicht fehlen. Da war die Ouvertüre zur „Fledermaus“, die ein, wie wir heute sagen würden; Medley der bekanntesten Lieder dieser Operette beinhaltete. Da war die „Annen Polka“, die eigentlich der Kaiserin Maria-Anna gewidmet war. Bei der Strauß beim großen Annenfest allerdings aus PR-Gründen den Eindruck beim Publikum erweckte, als sei sie für alle Annas, Anderls und Ännes dieser Welt geschrieben. Und da war der berühmte „Kaiserwalzer“, bei dem die Musik manchmal in einen anderen Rhythmus abzudriften droht, wobei Strauß dann immer wieder ganz schnell den Dreh zum Walzer findet. Als sich Förster mit den Worten verabschiedet: „ Ich wünsche Ihnen, dass Sie den Schwung dieses Konzerts mit ins neue Jahr nehmen“, bleiben sowohl die Zuschauer und auch die Musiker sitzen. Denn sie wissen, da muss noch etwas kommen. Und dann ertönt der berühmte Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater, bei dem Förster nicht nur seine über vierzig Solisten, sondern auch alle 762 Zuschauer schwungvoll mitdirigiert.

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