Schätze der Strauß-Dynastie Im Neujahrskonzert wartet die NPW mit Entdeckungen auf

Recklinghäuser Zeitung | Bernd Aulich

GELSENKIRCHEN. Kein Verdi, kein Wagner. Das Neujahrskonzert der Neuen Philharmonie Westfalen (NPW) bleibt schon seit Jahren der Wiener Strauß-Dynastie vorbehalten. Seit Heiko Mathias Förster die Geschicke des Vest-Klangkörpers lenkt.

Von Bernd Aulich

Der gebürtige Mecklenburger ist ein Liebhaber dieser Unterhaltungsmusik aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Einer Unterhaltungsmusik, die im eingängigen Dreivierteltakt des Walzers oder im rasanten Zweivierteltakt der Polka Ohrwurm-Melodik mit musikalischer Raffinesse verknüpft.
Förster liegt viel daran, den Esprit dieser von Kurkapellen erbärmlich verramschten Musik wiederzuentdecken. Ein prall gefülltes Großes Haus des Musiktheaters im Revier (MiR) mit einem betagten, erwartungsfrohen Publikum gibt ihm recht in diesem Bemühen. Dass Förster Populäres mit immer wieder neuen Entdeckungen aus der Schatzkiste der drei Strauß-Brüder Johann, Josef und Eduard mischt, macht bei allen Abnutzungseffekten den Reiz seiner Programme aus.
Der Walzer „Seid umschlungen Millionen“, der dem Abend das Motto verlieh, ließ zu Beginn trotz Finessen wie Springbögen noch nicht die rechte Stimmung aufkommen. Walzerkönig Johann Strauß hat ihn keinem Geringeren als Johannes Brahms gewidmet. Und Brahms notierte über Strauß’ Musik schon mal: „Leider nicht von mir.“
Erst in der zweiten Hälfte des Abends ging das Publikum mit. Ihn eröffnete Eduard Strauß’ Walzer „Studentenball-Tänzer“, ein Meisterstück, das ein Orchestermusiker eigens trotz kaum entzifferbarer Handschrift rekonstruiert hat. Eine Entdeckung bot auch die berühmte Pizzicato-Polka von Johann und Josef in der Kopie, die der Franzose Leo Delibes mit zupfenden Streichern in sein so gut wie unbekanntes Ballett „Sylvia“ aufnahm. Vitalität und Eleganz verband das Orchester in der Ouvertüre zur Operette „Der Zigeunerbaron“. Und auch die Ausschnitte aus der Operette „Waldmeister“ klangen spannungsreich. Höhepunkte aber bot das Wohlbekannte: der mit Brillanz gespielte Walzer „An der schönen blauen Donau“ und als Rausschmeißer der zackige Radetzky-Marsch von Vater Johann Strauß. Den feierte das erhobene Publikum mit Ovationen.

@ www.neue-philharmonie-westfalen.de
Info Wiederholt wird das Programm am 6. Januar im Bürgerhaus Recklinghausen-Süd und am 13. Januar im Glashaus Herten jeweils um 11 Uhr. Karten Tel. 0 18 05 / 14 77 88.

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