Zwei neue Sterne

WAZ Kamen | Peter Schröder

Das 8. Sinfoniekonzert der Neuen-Philharmonie Westfalen stand ganz im Zeichen zweier aufgehender Sterne am Konzerthimmel. Ein Stern trägt den Namen Sergej Dogadin, der andere den Namen Ken-David Masur.

Von Peter Schröder

Der erst 23-jährige Geiger Sergej Dogadin hat auf den einschlägigen Musikwettbewerben bereits so ziemlich alles abgeräumt, was es an Preisen zu gewinnen gibt, und die Einladungsliste internationaler Spitzenorchester wird folglich länger und länger.
In Kamen spielte der junge Russe das 3. Konzert für Violine und Orchester von Camille Saint-Saëns. Da passte einfach alles: technische Brillanz bei den schnellen Läufen mit schwierigen Doppelgriffen gepaart mit einem einfühlsamen Ton. Apropos Ton: Dogadin spielt auf einer kostbaren, über 250 Jahre alten Guadagnini. Mit diesem Instrument erklang selbst Jules Massenets populäre und oft verkitschte „Meditation“ aus der Oper „Thaïs“ wie Musik von einem andern Stern - einfach zum Dahinschweben.
Bei solch solistischer Feinkost mochte das Orchester nicht hinten anstehen. Die hohe Spielkultur der Streicher im Klangkörper der Neuen Philharmonie steht ohnehin außer Frage. César Francks „Sinfonie d-Moll“ bietet jedoch auch den anderen Instrumentengruppen Raum, sich musikalisch zu exponieren. Francks Sinfonie beruht im Grunde auf einem einfachen und eingängigen Motiv, das in nahezu unzähligen Variationen im Orchester hin- und hergereicht wird. Alle Musiker nahmen dieses kompositorische Geschenk dankend an - die Blechbläser sogar etwas mehr...
Der rundum gelungene Konzertabend ist nicht zuletzt dem Mann am Pult zu verdanken. Ken-David Masur hatte bei der Einstudierung des Programms spürbar gründliche Vorarbeit geleistet. Die hohe Konzentration des Orchesters war nahezu greifbar. Der 35-jährige Sohn des legendären Kurt Masur dirigierte auswendig und ohne Taktstock. Masur steuert Einsätze, Dynamik und Intonation gestenreich sogar aus den Fingerspitzen heraus, ohne dass sein Dirigat auch nur einen Augenblick der Effekthascherei anheim fällt.

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