Ekstase im Konzertsaal

Kaum sind die feinen Gesangslinien von Annette Dasch und den „Vier letzten Liedern“ von Richard Strauss verklungen, da bereitet sich die Neue Philharmonie Westfalen schon auf das nächste Sinfoniekonzert vor. Diesmal am Pult der NPW der gefeierte Generalmusikdirektor des Staatstheaters Nürnberg – Marcus Bosch, der zuvor in gleicher Position in Aachen auf sich aufmerksam machte. Als Gast dirigierte er zahlreiche große Orchester in Europa, Asien und Amerika, darunter die Staatskapelle Dresden, die Münchner Philharmoniker, das Orchestre National de Belgique, das Orchestre Philharmonique du Luxembourg sowie das Orchestre National de Lyon. Jetzt macht Marcus Bosch Station bei der Neuen Philharmonie.

„Ich dürste nach deiner Schönheit. Ich hungre nach deinem Leib.“ Mit einer Kaskade der Sinnlichkeit reagiert Salome auf den Propheten Jochanaan - und Richard Strauss fasst das Begehren der Prinzessin in eine aufreizend funkelnde Partitur. Die tänzerische Ekstase Salomes scheint in Chopins 2. Klavierkonzert in eine ebenso intensive innere Glut gegossen. Das Larghetto ist eine zärtliche Liebeserklärung an die Poesie der stillen Versunkenheit, aber auch an die ferne Geliebte Chopins, eine polnische Sängerin. Der italienische Pianist Pietro De Maria hat 2014 alle Klavierwerke Chopins für das Label Decca auf CD eingespielt und dafür beste Kritiken geerntet.
Von dieser introvertierten Leidenschaft zurück zu elektrisierender Erotik: Ravels „Boléro“ entlädt sich nach einem knisternden Spannungsaufbau über einem unveränderten Rhythmus in einer plötzlichen Explosion.

Der hypersensible Alexander Skrjabin sah vor seinem inneren Auge Farben, wenn er komponierte. In seinem 1908 uraufgeführten „Poème de l'Extase“ schillert ein riesiges Orchester in betörenden Klängen: von der „sehnsüchtigen Lust“ des Beginns über die Erregungen einer „kosmischen Vereinigung“ zum überschäumenden Freudentaumel im bombastischen Schluss. Skrjabin wollte die „ganze Welt überfluten“ mit diesem ekstatischen Finale, das zu den berauschendsten Hör-Erfahrungen zählt, die man im Konzertsaal machen kann.

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