GMD Rasmus Baumann leitet 4. Sinfoniekonzert

Verloren, vergessen, aufgegeben - oder bewusst im unvollständigen Zustand hinterlassen? Fragmente geben Rätsel auf: Sie enthüllen die Brüchigkeit des Kunstwerks, lassen seine Bedeutung in der Schwebe. Diesem interessanten Vakuum spüren GMD Rasmus Baumann und die Neue Philharmonie Westfalen im 4. Sinfoniekonzert nach. Mit dabei ist der international renommierte Geiger und ECHO Klassik Preisträger Linus Roth.

Franz Schuberts „Unvollendete“ ist vielleicht doch eine „Vollendete“. Kann es sein, dass Schubert hier in der Zwei- statt der üblichen Viersätzigkeit die individuelle Vollkommenheit erkannte und von einer Komplettierung daher absah? Wie dem auch sei, das lyrisch-melancholische Thema der Celli ist die Essenz Schubert'scher Melodik. Beethoven hat nur ein Violinkonzert geschrieben? Nicht ganz richtig. Etwa 15 Jahre vor dem großen D-Dur-Konzert begann Beethoven in seiner Bonner Zeit schon einmal ein Violinkonzert, brach es jedoch nach dem ersten Satz ab. Dieses Fragment spielt der junge Geiger Linus Roth, der sich seit seiner Auszeichnung mit dem ECHO Klassik als „Bester Nachwuchskünstler“ 2006 mit einem spannenden Repertoire etabliert hat.
Die Frage nach der Sinnhaftigkeit musikalischer Prozesse stellt Charles Ives mit „The Unanswered Question“ schon im Titel. Der originelle Einzelgänger und Pionier der amerikanischen Musik spürt dem offenen Ausgang dieses Gedankenexperiments nach.
„Für dich leben! Für dich sterben!“ - auf den Notenblättern seiner unvollendeten 10. Sinfonie notierte Mahler einen Verzweiflungsschrei. Nicht nur die verlorene Liebe seiner Frau Alma, auch die eigene Sterblichkeit spiegelt sich in dem seelenwunden Adagio, das schon an der Schwelle des Todes steht.

 

Zurück