„La Dasch“ und die letzten Gedanken

Die Vita der Ausnahme–Künstlerin Annette Dasch liest sich wie das „Who is Who“ der großen Wettbewerbe, Opernhäuser und Dirigenten. Sie gewann den 1. Preis bei dem Gesangswettbewerb überhaupt, dem „Concours Maria Callas“ in Barcelona. Sie ist „Echo – Klassik“ - Preisträgerin, moderiert eine eigene Fernsehsendung im ZDF-Kulturkanal und steht auf den Bühnen der renommiertesten Häuser auf der ganzen Welt mit Dirigenten wie James Levine, Simon Rattle und Daniel Barenboim. Wie durch ein Wunder kommt der Gesangs-Star mit Berliner Wurzeln jetzt als Solistin zur Neuen Philharmonie Westfalen und interpretiert die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss unter der Leitung von GMD Rasmus Baumann im 5. Sinfoniekonzert mit dem Titel „Letzte Gedanken“.

Von den ersten Visitenkarten im 2. Sinfoniekonzert bis zu den „Letzten Gedanken“ von Wagner und Strauss - zwei Lebenswege werden besichtigt. „Ich denke, ich kenne besser als irgend Jemand das Ungeheure, das Wagner vermag, die fünfzig Welten fremder Entzückungen, zu denen Niemand außer ihm Flügel hatte“, so Friedrich Nietzsche über die Droge Wagner. In „Parsifal“ zeigt sich dieser hypnotische Sog ganz pur im Vorspiel, einem wundersamen Dom aus Klang. Wagners letztes Büh-nenwerk über die innere Reise des „reinen Toren“ und späteren Gralsritters Parsifal ist voller Widersprüche und rührt doch in tiefer Spiritualität an die letzten Dinge. Auf diese richtete auch Strauss in den „Vier letzten Liedern“ sein Denken. Das künstleri-sche Testament des 84-Jährigen ist Ausdruck einer Altersweisheit, die auf alles Überflüssige verzichtet. Doch die Lieder sind nicht Totenklage, sondern Liebesbe-weis: Dokument seiner lebenslangen Verbindung mit Pauline de Ahna, seiner kon-genialen Interpretin und über ein halbes Jahrhundert auch Ehefrau.
Nach einem brillanten Geschwindmarsch, der unweigerlich Applaus provoziert, ist Tschaikowskys „letzter Gedanke“ noch nicht zu Ende: In der „Pathétique“ folgt auf den triumphalen Jubel noch ein weltschmerzlerischer Abgesang. Die Pole des Le-bens und des Todes hat Tschaikowsky im Schlussstein seines Schaffens bezwin-gend gegenübergestellt.

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